Handicapanpassung

06.01.2017

Zu den  Aufgaben des Vorgabenausschuss gehört es, auf Antrag oder im Rahmen der jährlichen Überprüfung das Handicap eines Spielers dem aktuellen Leistungsvermögen anpassen. Was ist das "aktuelle Leistungsvermögen? Auf jeden Fall ein subjektiver, schwer zu fassender Begriff. 

Des öfteren wird an den Vorgabenausschuss die Bitte herangetragen, das Handicap so herauf zu setzen, daß es wieder möglich ist, regelmäßig um 36 Stablefordpunkte Netto zu spielen. Entspricht das dem aktuellen Leistungsvermögen?

Statistische Auswertungen, europaweit durchgeführt, haben ergeben, daß die durchschnittliche Nettopunktzahl je nach Handicapklasse des Spielers mehr oder weniger deutlich unter der Schallmauer von 36 liegt. Je höher das Handicap eines Golfers, desto niedriger sein sogenannter Median, also das mittlere zu erwartende Ergebnis seiner Turniere in einem bestimmten Zeitraum. Dieser Sachverhalt ist in folgender Tabelle wiedergegeben.

Stammvorgabebis 4,44,5-8,08,1-11,411,5-1515,1-18,418,5-26,426,4-36

Median 

 3332,5 3231,5 3130,5 30

 

Diese Tabelle trifft natürlich nur auf den Spieler mit stabilem Leistungsniveau zu, weder auf Improver noch auf Decliner, wie es im angloamerikanischen Sprachraum so schön heißt. Besonders für die letztgenannte Gruppe kommt die jährliche Handicapanpassung zum Tragen. Dort ist es bekanntlich sehr schwierig bis unmöglich, im Rahmen von Turnieren eine der tatsächlichen Leistungsstärke entsprechende Stammvorgabe zu erspielen.  

An einem fiktiven Beispiel wird im Folgenden aufgezeigt, wie eine Überprüfung der aktuellen Spielstärke eines Spielers aussehen kann. Nachstehend die 8 in einer Saison gespielten Nettoergebnisse eines Spielers mit Handicap 25:

                                         34  31  30  29  27  27  26  25  22  

Der Median liegt bei 27, also 4,5 Schläge schlechter als der seiner Vergleichsgruppe. Ziel der Handicapanpassung ist, grobe Abweichungen von den zu erwartenden Ergebnissen, in diesem Fall einem Median von 30,5, zu korrigieren. Kleinere Abweichungen gleichen sich durch Unter- oder Überspielungen in der Folgezeit automatisch aus. Dieser Spieler würde in Dillenburg, sein Einverständnis vorausgesetzt,  ein neues Handicap von 27 oder 28 bekommen. 

Eine größere Heraufsetzung würde in der Folgezeit die Spieler benachteiligen, die nur etwas schlechter als ihre Vergleichsgruppe abgeschnitten haben.

Was aber wäre erst, wenn nun das Handicap des im Beispiel gezeigten Spielers entsprechend der weit verbreiteten Vorstellung, er müsse in die Lage versetzt werden, durchschnittlich 36 Punkte zu spielen, um 9 Schläge auf 34 heraufgesetzt würde? Wer würde dann die Siegerlisten der nächsten Saison dominieren?

Das oben dargelegte Beispiel zeigt, daß ein Spieler im Rahmen der jährlichen Überprüfung durchaus in die Handicapklasse 5 (26,5-36) rutschen kann. Seit 2016 gibt es lediglich kein Hochspielen in Turnieren über die Grenze von 26,4 hinaus. 

 

Bis zum Jahr 2015 wurde die jährliche Überprüfung der Vorgaben nach diesem leicht nachvollziebaren Schema vorgenommen. Nur Abweichungen von 3 oder mehr Schlägen vom Median der Vergleichsgruppe führten, dann aber automatisch, zu Veränderungen der eigenen Vorgabe um maximal 2 Schläge.

Ab 2016 wird von einem Computerprogramm vorgeschlagen, welche Spieler eine Handicapveränderung erfahren sollen. Eine tatsächliche Veränderung erfolgt nach Ermessen des Vorgabenausschusses des Handicap führenden Clubs, auch nach Rücksprache mit den Betroffenen.

Im GC Dillenburg wurde beschlossen, eine Heraufsetzung des Handicaps nur im Einvernehmen mit dem Spieler vorzunehmen. Damit wird der Gedanke des DGV unterstützt, die Hemmschwelle für die Teilnahme an vorgabewirksamen Turnieren zu senken. Eine Herabsetzung kann bei entsprechend überdurchschnittlichen Rundenergebnissen aber auch im GCD gegen den Willen des Spielers erfolgen.

Die erste Vorgabenanpassung nach dem neuen System brachte interessante Ergebnisse.  Bei der Auswertung der Spielergebnisse schlug das Programm auch Heraufsetzungen von Spielern vor, die sich im Laufe der Saison unterspielt hatten und deren Median besser als der der Vergleichsgruppe war. Nun, man wird sich bei dem zugrunde liegenden Algorithmus etwas gedacht haben, um die Golfwelt gerechter zu machen.

Genießen Sie Ihre Golfrunden und vielleicht ärgern Sie sich, eingedenk der oben gemachten Ausführungen, weniger über ein Ergebnis deutlich unter 36 Nettopunkten. 36 oder mehr Punkte zu spielen ist die Ausnahme, es muß ein besonders guter Golftag gewesen sein. Das Gefühl, mit einer durchschnittlichen Leistung schlecht gewesen zu sein, ist leider in der Systematik unseres Handicapsystems begründet.

Für alle die es genauer wissen möchten: Hier finden Sie die offiziellen Bestimmungen.

Häufig aufkommende Fragen rund um die neue Handicapregelung werden hier beantwortet. (T.S.)

 

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